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Agent Skills: Das fehlende Gedächtnis deines KI-Assistenten

Hendrik Haustein
Hendrik Haustein
Agent Skills: Das fehlende Gedächtnis deines KI-Assistenten
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In 30 Sekunden

  • Das Problem: KI-Assistenten wirken schlau, kennen aber deine Team-Konventionen nicht.
  • Die Lösung: "Skills" sind Markdown-Dateien, die prozedurales Wissen vermitteln.
  • Die Technik: "Progressive Disclosure" spart Tokens, indem nur Header gescannt werden.
  • Das Ziel: Weg von "KI, die Code schreibt" hin zu "KI, die wie dein Team codet".
ℹ️

Was für ein Zufall

Pünktlich zum Artikel hat Vercel sein Open Agent Skills Ecosystem gelauncht. Deshalb findest du hier eine Anleitung, wie du diese Skills installierst und nutzt. (VS Code / GitHub Copilot).

ℹ️

Warum hier Vercel?

Vercel wird in diesem Artikel häufig genannt, nicht weil die Lösung exklusiv dort funktioniert, sondern weil sie aktuell die treibende Kraft hinter dem offenen Agent-Skills-Standard sind.
Andere Anbieter können und werden diesen Ansatz übernehmen – Vercel ist hier vor allem Katalysator, nicht Monopol.

Vercel stellt sein Open Agent Ecosystem vor, womit jeder Dev im Handumdrehen seine Agenten mit passenden Skills ausstatten kann.Vercel stellt sein Open Agent Ecosystem vor, womit jeder Dev im Handumdrehen seine Agenten mit passenden Skills ausstatten kann.

1. Das Problem mit dem "Junior" im System

Wer Tools wie Claude Code, Cursor oder GitHub Copilot nutzt, kennt den Schmerz: Der Assistent ist brillant, aber er leidet unter Amnesie. Er weiß nicht, wie dein Team Ordner strukturiert. Er erfindet Patterns neu, die ihr längst standardisiert habt.

Das Ergebnis: Er schreibt Code, der technisch funktioniert, aber gegen alles verstößt, was ihr euch in Code-Reviews mühsam erarbeitet habt.

Wir stehen vor einer Lücke in der Developer Experience:

  • Das Modell hat das Weltwissen (Generalist).
  • Dem Modell fehlt das Kontextwissen (Spezialist).

Hier treten Agent Skills auf den Plan. Sie sind das fehlende Bindeglied, um aus einem generischen KI-Modell einen Mitarbeiter zu machen, der deine Standards kennt.

2. Begriffsdefinition: Was ist ein Skill?

Lass uns das "Magische" entfernen. Technisch gesehen ist ein Skill banal:

  1. Das Format: Es ist eine simple Markdown-Datei.
  2. Der Inhalt: Prozedurales Wissen. Anweisungen, wie etwas getan werden soll.
  3. Die Installation: Ein einziger Befehl im Terminal.

Kurz: Ein Skill ist eine Textdatei, die deiner KI beibringt: "So machen wir das hier."

Statt jedes Mal in den Prompt zu schreiben: "Bitte nutze Tailwind und achte auf Mobile-First", installierst du diesen Kontext permanent in dein Projekt.

Beispiel einer SKILL.md.Beispiel einer SKILL.md.

3. Under the Hood: Progressive Disclosure

Warum kopieren wir diese Regeln nicht einfach in die "System Prompt" oder .cursorrules? Weil Kontext teuer ist – sowohl finanziell als auch in Bezug auf die "Aufmerksamkeitsspanne" der KI (Context Window).

Die Architektur von Agent Skills nutzt einen cleveren Trick namens Progressive Disclosure:

  • Der Header-Scan: Wenn du eine Session startest, liest der Agent nur die winzigen YAML-Header aller installierten Skills (Name & Beschreibung). Das kostet kaum Tokens (abhängig vom eingesetzen Agenten & Modell).
  • Der Full-Load: Erst wenn der Agent erkennt, dass er für deine Aufgabe einen bestimmten Skill braucht, lädt er die vollen Instruktionen nach.
⚠️

Realitätscheck

Nicht jeder Agent implementiert „Progressive Disclosure“ heute schon perfekt.
Je nach Tool kann es sein, dass Skills:

  • komplett geladen werden,
  • verspätet geladen werden,
  • oder in Einzelfällen ignoriert werden.

Das Konzept ist der Standard, der sich gerade durchsetzt – die Umsetzung ist noch nicht überall gleich reif.

In der idealen Umsetzung bedeutet das: Du kannst hunderte Skills für React, AWS, Testing und Design installiert haben, ohne das Context-Window zuzumüllen. Der Agent "weiß", dass er das Wissen hat, ruft es aber nur bei Bedarf ab.

4. Die Kernfrage: Konvention statt Konfiguration

Du stehst vor der Wahl:

  • Der manuelle Weg: Du korrigierst die KI ständig im Chat ("Nein, wir nutzen keine Class-Components mehr").
  • Der Skill-Weg: Du installierst vercel-labs/agent-skills und gibst dem Agenten sofort 10 Jahre geballtes Next.js Best-Practice-Wissen.

Der Befehl ist denkbar einfach:

terminalplaintext
npx skills add vercel-labs/agent-skills

Das dauert weniger als 10 Sekunden. Danach agiert der Agent nicht mehr als isolierter Bot, sondern kann als Erweiterung deiner Senior-Developer agieren.

Agent Skills aus dem Vercel Open Agent Ecosystem installieren.Agent Skills aus dem Vercel Open Agent Ecosystem installieren.

Auf skills.sh findest du viele weitere Skills für KI Agenten wie Copilot und Co.

Agent Skills aus dem Vercel Open Agent Ecosystem Leaderboard und Skill-Suche.Agent Skills aus dem Vercel Open Agent Ecosystem Leaderboard und Skill-Suche.

5. So nutzt du Agent Skills mit GitHub Copilot in VS Code

Du hast den Skill installiert, aber Copilot ignoriert ihn geflissentlich? Das ist der klassische Stolperstein. Da "Agent Skills" ein relativ neuer Standard sind, ist die Funktion in VS Code standardmäßig oft deaktiviert oder Copilot "sieht" die Dateien schlichtweg nicht sofort.

Damit die Magie funktioniert, musst du Copilot erst die Erlaubnis geben, diese speziellen Ordner zu nutzen.

Die Checkliste zur Aktivierung:

  1. Das Feature einschalten: Öffne die Einstellungen (Cmd + , oder Strg + ,) und suche nach "Copilot Agent" oder "Skills". Stelle sicher, dass Haken bei Optionen wie GitHub > Copilot > Chat: Use Agent Skills gesetzt sind. (Hinweis: In VS Code Insiders ist dies oft schon Standard, in der Stable-Version muss man es manchmal erzwingen).

Agent Skills für GitHub Copilot aktivieren in VS Code.Agent Skills für GitHub Copilot aktivieren in VS Code.

  1. Der Neustart-Trick: Copilot liest die Dateistruktur oft nur beim Start ein. Wenn du den .claude-Ordner gerade erst generiert hast, wirkt ein "Reload Window" (über die Befehlspalette Cmd + Shift + P) Wunder.

  2. Lokal schlägt Global: Auch wenn du Skills global installieren kannst: Copilot arbeitet am zuverlässigsten, wenn der Ordner .github/skills oder .agent, .agents usw.) direkt im Root-Verzeichnis deines offenen Projekts liegt. Kopiere globale Skills im Zweifel direkt in dein Repo.

So testest du, ob es klappt: Frag den Chat nicht "Nutze den Skill", sondern triggere die Intention. Wenn du den Web Design Guidelines Skill installiert hast, frag: "Review the padding of this component." Wenn Copilot antwortet "Based on the rules in web-design-guidelines...", weißt du: Dein Agent ist jetzt online.

6. Erwartungsmanagement: Shared Brain

Der wahre Wert entsteht, wenn Skills Teil des Repositories werden. Das Prinzip ist "Configuration as Code" für KI-Verhalten.

  • Onboarding: Ein neuer Entwickler klont das Repo und sein KI-Assistent kennt sofort alle Architektur-Entscheidungen der letzten drei Jahre.
  • Konsistenz: Wenn sich die Design-Guidelines ändern, aktualisierst du die Skill-Datei (SKILL.md). Alle Agenten im Team passen ihr Verhalten sofort an.

Wir bewegen uns von "AI that can code" zu "AI that codes like us".

7. Praxis-Guide: So sieht ein Skill aus

Wie baust du das selbst? Du brauchst keine Python-Kenntnisse, nur Markdown.

Ein Skill besteht aus einem YAML-Frontmatter (für den schnellen Scan) und dem Body (für die Ausführung).

Deine Checkliste für eigene Skills:

  • YAML Header: Muss präzise beschreiben, wann der Skill genutzt werden soll.
  • Klare Anweisungen: Nutze Bullet-Points und Imperativ.
  • Beispiele: Zeige der KI "Good Code" vs. "Bad Code".

So sieht eine typische SKILL.md Datei aus:

SKILL.mdplaintext
---
name: React Component Guidelines
description: Apply team standards for React components, hooks, and prop drilling.
---

# Rules

1. Always use functional components.
2. Destructure props directly in the function signature.
3. Use strict typing with TypeScript interfaces, not 'any'.

# Anti-Patterns

- Avoid default exports; use named exports.
- Do not use inline styles, use Tailwind classes.

Wichtig: Je präziser die Beschreibung im Header, desto zuverlässiger "zündet" der Agent den Skill im richtigen Moment.

8. Fazit: Das Ende der dummen Fehler

Agent Skills sind kein bloßes Feature, sie sind ein Refactoring deiner Arbeitsweise. Statt Fehler im Code Review zu fangen, verhinderst du sie an der Quelle: im Editor des Entwicklers.

Du installierst Erfahrung. Du installierst Konsistenz. Es ist der Schritt von einem experimentellen Spielzeug zu einem verlässlichen Werkzeug im Enterprise-Umfeld.

Agent Skills sind jedoch kein Autopilot, sondern ein Verstärker guter Team-Standards.

Häufige Fragen zu Agent Skills

Nein. Obwohl Vercel den Standard vorantreibt (MCP/Agent Skills), sind die Skills selbst technologieunabhängig. Du kannst Skills für Python, Go, Rust oder reine Dokumentation schreiben. Es sind nur Markdown-Dateien.

Der Ansatz ist ähnlich, aber Skills sind modularer. Während .cursorrules oft eine riesige monolithische Datei ist, erlauben Skills eine Aufteilung in logische Einheiten (z.B. ein Skill für Testing, einer für UI, einer für Datenbanken), die dank 'Progressive Disclosure' das Kontext-Fenster nicht sprengen.

Der Standard ist Open Source. Die Nutzung hängt von deinem AI-Provider ab (Cursor, GitHub Copilot etc.). Die Token-Kosten für den Header-Scan sind minimal, aber sie fallen bei jeder neuen Session an.

Am einfachsten über das CLI-Tool. Mit `npx skills add [skill-name]` lädst du kuratierte Skills aus der Community herunter. Du kannst aber auch einfach manuell einen Ordner `.claude/skills` oder `.cursor/skills` anlegen und dort deine Markdown-Dateien ablegen.

Ja. Da Skills normale Dateien in deinem Repository sind, bleiben sie so privat wie dein Code. Du musst sie nicht in eine öffentliche Registry hochladen, um sie zu nutzen. Sie leben einfach in deinem Git-Repo.

Tags:#AI#Vercel#DX#Cursor#Copilot#KI
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Hendrik Haustein

Hendrik Haustein

Fullstack Developer

Hendrik ist Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, studiert Medieninformatik an der TH Lübeck und liebt sauberen Code und packende Stories. Er entwickelt diverse Web- und Mobile-Apps. Seit 2014 beschäftigt er sich mit Blogs und Content-Marketing.